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Strafrechtliche Möglichkeiten

Eine Reihe von typischen Stalking-Handlungen kann Straftatbestände erfüllen, viele Handlungen werden die Schwelle zum (bisher) Strafbaren nicht überschreiten. Die Beurteilung, ob der Täter sich strafbar gemacht hat oder nicht, obliegt letztlich der Staatsanwaltschaft. Folgende Straftatbestände können - aber müssen nicht - erfüllt sein, wobei betont werden muss, dass die nachfolgende Aufzählung keineswegs vollständig ist:
Wenn Anzeichen für eine Straftat vorliegen, sollte bei der Polizei (oder Staatsanwalt- schaft) Strafanzeige erstattet werden. Da die Verfolgung mancher Delikte (z. B. die Beleidigung) einen Strafantrag von Seiten des Opfers voraussetzt, empfiehlt es sich, pauschal "Strafantrag wegen aller in Betracht kommenden Delikte" zu stellen. Die Polizei ist verpflichtet, jede Strafanzeige aufzunehmen und ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Sie ist auch nicht etwa selbst befugt, ein bereits aufgenommenes Verfahren einzustellen. Damit die Polizei gezielt ermitteln kann, ist es erforderlich, dass ihr möglichst genaue Angaben über Täter, Tathandlungen, Ort und Zeit gemacht und Beweismittel zur Verfügung gestellt werden.

Ist erst einmal ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, werden Polizei und Staatsanwaltschaft die nötigen Maßnahmen ergreifen. Ist es z. B. notwendig und möglich, einen Haftbefehl gegen den Täter zu erlassen, was nur in besonderen Fällen vorkommt, so wird dies von Amts wegen getan werden und bedarf keines Antrages durch das Opfer. Der Vorteil des Strafrechtsweges ist, dass das gesamte Verfahren von Amts wegen geführt und dadurch das Opfer entlastet wird. So ist zwar das Opfer auch gehalten, möglichst viele Beweismittel anzubieten, um den Ermittlungen zum Erfolg zu verhelfen, aber es hat nicht - wie im Zivilprozess - die Kosten zu tragen, wenn es ihm nicht gelingt, eine Verurteilung des Stalkers zu erreichen. Problematisch kann sein, dass der Täter in der Regel nur zu einer Geldstrafe oder aber einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe verurteilt wird.

Da der Täter somit auf freiem Fuß bleibt, kann dies riskant sein, wenn er auf Rache wegen der gegen ihn erhobenen Strafanzeige sinnt. Bei schwerwiegenden Delikten, bei denen dem Opfer das Bedürfnis erwächst, persönlich am Strafverfahren teilzunehmen, um Genugtuung zu erlangen, kommt eine Nebenklage in Betracht. Hierbei kann das Opfer am Prozess quasi als "zweiter Ankläger" (neben der Staatsanwaltschaft) teilnehmen. Da das Opfer als Nebenkläger am Verfahren beteiligt ist, hat es bestimmte Rechte und kann in einem gewissen Umfang Einfluss auf den Prozess nehmen. Wenn das Opfer nicht in der Lage ist, die Rechtsanwaltskosten zu tragen, kann ihm vom Gericht ein Anwalt beigeordnet werden.